Sonntag, 12. Mai 2013

ich.kurs 13 - Mein Lieblingsthema: Kommunikation

Seit rund 20 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Kommunikation (Seminare, Bücher, etc.) und es fasziniert mich immer wieder, weil darin so viele Möglichkeiten liegen, so viel schief gehen kann und es einerseits spannend ist zu beobachten, wie Kommunikationssituationen im Alltag verlaufen, aber auch immer wieder das eigene Kommunikationsverhalten kritisch zu hinterfragen und zu versuchen, es zu optimieren (was sich bei über Jahren geprägten Gewohnheiten oft als schwierig erweist).

Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dass es im ich.kurs 13 gleich in der ersten regulären Einheit nach der Einführung um dieses Thema geht und ich bin froh, dass ich nach einer sehr intensiven Woche mit re:publica und anderen Eindrücken heute morgen Zeit habe, mich etwas mit den Inhalten zu beschäftigen.

Zunächst möchte ich auf die Kursseite zu dieser Einheit hinweisen - die Inhalte stehen ja auch allen offen, die nicht zum Kurs angemeldet sind:
http://ichkurs.de/einheit/kommunikation/

Los geht es mit einem Einführungsvideo von Kursleiter Johannes Moskaliuk in zwei Teilen.

Teil 1:


Los geht es, wie fast immer, wenn es irgendwo um das Thema Kommunikation geht, mit der bekannten Aussage von Paul Watzlawick, dass man nicht nicht kommunizieren kann - einem von fünf seiner Axiome zur Kommunikation. Alle fünf lauten:
1. Man kann nicht nicht kommunizieren
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Anschließend geht es darum, was denn gute Kommunikation ist. Kommunikation wird dabei als Schnittstelle zwischen "innen" und "außen", zwischen "dir" und "mir" dargestellt. Dabei müssen eigene Ansichten, Gefühle, Wünsche etc. so "übersetzt" werden, dass ein anderer sie verstehen kann. Und dieser "Übersetzungsprozess" birgt dann auch die vielfältigen Probleme und Missverständnisse, die Kommunikation oft so mit sich bringt. Dann wird vorgestellt, welche Elemente in der Kurseinheit besprochen werden (zum Beispiel Klassiker wie das Kommunikationsquadrat von Thuns).

Danach wird in Inhalte der Kurseinheit eingeführt, zu denen es dann auch noch Texte gibt, die ich mir später anschaue. Daher hier noch ein kurzer Überblick: Zunächst wird die Informationstheorie von Shannon/Weaver vorgestellt. Kommunikation wird dabei als Übertragung von Nachrichten von einem Sender zu einem Empfänger verstanden und. Dabei erfolgt beim Sender eine Encodierung und beim Empfänger eine Decocierung. Und diese Prozesse können in Verbindung mit dem Kommunikationskanal zu Problemen/Störungen führen.

Danach wird Common Ground (Herbert Clark)als wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation erläutert (interessant für mich, da ich dieses Modell noch nicht kannte). Common Ground ist dabei das gemeinsame Wissen sowie gemeinsame Annahmen und Meinungen von Gesprächspartnern. Dabei ist diese gemeinsame Basis nicht statisch, sondern wird während eines Gesprächs immer wieder überprüft und angepasst (Grounding). Es werden Beispiele für Grounding (paraphrasieren, Gesten, nachfragen etc.). Meist läuft Grounding unbewusst ab. Missverständnisse können entstehen, wenn kein erfolgreiches Grounding erfolgt. Von Clark gibt es dann auch noch einige Heuristiken zum Common Ground (Community Membership, Bisher Gesagtes, geteilte Umwelt). Häufig wird Common Ground vorausgesetzt, obwohl er gar nicht vorhanden ist (zum Beispiel wird innerhalb einer Community, zum Beispiel Kollegen im Beruf, Vorwissen vorausgesetzt, was aber vielleicht gar nicht vorhanden ist). Um dies zu vermeiden, kann es sich lohnen, Grounding bewusst durchzuführen und immer wieder zu prüfen, ob tatsächlich Common Ground vorhanden ist.

Teil 2:


Hier geht es wieder um einen Klassiker: Das Kommunikationsquadrat von Thuns. Jede Nachricht hat vier Seiten - jeder Sender spricht mit vier "Schnäbeln", jeder Empfänger hört mit vier "Ohren". Die vier Seiten sind:
- Sachebene
- Selbstoffenbarung
- Beziehungsebene
- Appell
Das Kommunikationsquadrat eignet sich sehr gut dazu, um Kommunikationssituationen zu analysieren.

Dann geht es zurück zu Paul Watzlawick und Johannes Moskaliuk erzählt die "Geschichte mit dem Hammer", allerdings in Abwandlung als "Geschichte mit dem Ei", aus dem Buch "Anleitung zum Unglücklichsein" Watzlawicks. Die Geschichte macht deutlich, dass Menschen sich ihre eigene Wirklichkeit konstruieren, was schnell zu Missverständnissen und Unterstellungen führen kann. Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, treffen also zwei Wirklichkeiten aufeinander. In diesem Zusammenhang wird dann das Konzept der Attribution (Ursachenzuschreibungen) erläutert.

Zu den in den beiden Videos kurz behandelten Themen gibt es auch noch ausführliche Artikel mit Texten und Grafiken. Dabei wird dann auch schon mehr auf die Anwendung des Wissens auf sich selbst Bezug genommen, da die jeweiligen Beiträge mit Reflektionsfragen enden. Ich bin für mich zum Beispiel einige Situationen gedanklich mit dem Kommunikationsquadrat durchgegangen. Allerdings ist da dann wieder ein Punkt erreicht, an dem es für diesen öffentlichen Blog zu persönlich würde, diese hier zu dokumentieren.

Die vier Seiten einer Nachricht (Kommunikationsquadrat)
Neben dem Input gibt es unter anderem eine Vorlage, anhand der Situationen anhand des Kommunikationsquadrats analysiert werden können und es werden einige Reflektionsfragen dazu gestellt, auf welche Seiten man selbst besonders anspricht etc.

Common Ground / Grounding
Hier werden ergänzend zu den oben schon ausgeführten Grundlagen und den Heuristiken noch die drei Grounding-Strategien ausgeführt:
1. Backchanneling (verbale und non-verbale Rückmeldungen, wie etwas verstanden wurde)
2. Reaktionen (Antworten/Handlungen), die zeigen, wie etwas verstanden wurde
3. Aufmerksamkeit gegenüber dem Sprecher

Informationstheorie: Sender - Nachricht - Empfänger
Hier wird neben der oben im Zusammenhang mit den Videos schon erwähnten Informationshtheorie von Shannon/Weaver auch auf die Konversationsmaximen von Herbert Paul Grice (auch ein neuer Input für mich):
- Qualität: Sagen Sie nur, was wahr ist
- Quantität: Geben Sie die Informationen, die notwendig für das Gespräch sind
(nicht mehr und nicht weniger)
- Relevanz: Bleiben Sie beim Thema des Gesprächs
- Klarheit: Vermeiden Sie unklare, mehrdeutige oder ausschweifende Formulierungen.

Die Geschichte mit dem Ei
Verschiedene Wirklichkeiten - Attribution

Ich-Botschaften
Auf dieses (auch klassische) Thema wurde in den Videos noch nicht eingegangen. Es steht aber im Mittelpunkt vieler Übungen zu dieser Kurseinheit. Ich-Botschaften dienen insbesondere in Konfliktsituationen dazu, die eigenen Gefühle, Wahrnehmungen, Erwartungen und Bedürfnisse auszudrücken, ohne den anderen anzugreifen und zu beschuldigen. Dadurch erhöhen sich die Chancen für eine konstruktive Lösung des Konflikts. Sehr anschaulich und mit Beispielen werden die vier Elemente einer Ich-Botschaft erläutert:
1. Beobachtung formulieren, ohne zu bewerten
2. Gefühle ausdrücken, ohne den Gesprächspartner zu bewerten
3. Eigene Bedürfnisse deutlich machen, ohne Schuldzuweisung
4. Bitte/Frage stellen - keine Forderung stellen

Damit habe ich mich nun (länger als geplant) mit den theoretischen Inhalten für diese Einheit beschäftigt. Ein Teil war eine gute Auffrischung von Bekanntem, einiges war aber auch neu (z. B. Grounding) oder wurde um neue Aspekte bereichert. Im internen Kursbereich besteht nun noch die Möglichkeit, sich aktiv mit den Inhalten bezogen auf die eigene Persönlichkeit zu beschäftigen und in den Dialog zu kommen. Ich muss mal schauen, in welchem Umfang ich dort noch aktiv werde. Auch während ich mich jetzt mit den Inhalten beschäftigt habe, habe ich einiges gedanklich schon auf Situationen aus meinem Leben bezogen.

Donnerstag, 9. Mai 2013

re:publica 13 #rp13 - Notizen zu Tag 3 (re:learn)

Am gestrigen dritten und letzten Tag fühlte ich mich auf der re:publica endlich "heimisch", da es im Rahmen der re:learn innerhalb der re:publica um Bildungsthemen ging, natürlich auch unter dem Internet-Gesichtspunkt. So kam es, dass ich gestern auch besonders viele Sessions besucht habe und fast den ganzen Tag auf der Konferenz war. Abgerundet wurde der Tag wieder durch interessante persönliche Treffen mit Menschen, die ich zuvor nur virtuell kannte.

Keynote Andreas Schleicher: 21st Century Skills
Diese Keynote habe ich nicht live gesehen, sondern heute Morgen als Konserve bei YouTube. Da aber in den Sessions im Verlauf des Tages immer wieder darauf Bezug genommen wurde, möchte ich auch hier darauf eingehen. Anschauen könnt ihr euch das Ganze natürlich auch selbst:

Andreas Schleicher ist Internationaler Koordinator des Programm for International Student Assessment (PISA-Studien). Nach dem Schüler-PISA wurde jetzt auch ein Erwachsenen-PISA durchgeführt - Ergebnisse gibt es im Herbst, aber im Vortrag wurden schon einige Folien dazu gezeigt. Gleich zu Beginn gibt Schleicher die interessante Info, dass ein guter Bildungsstand heute mehr denn je gute Voraussetzungen schafft, um am Leben und der Gesellschaft erfolgreich teilzunehmen. Eine Folie dazu sagt prägnant: "Better skills. Better jobs. Better lives". Und dieses "besser" meint nicht nur mehr Geld, sondern auch die Bereitschaft, sich in der Gesellschaft zu engagieren und Vertrauen zu haben (Trust) zur Wirtschaft, zu den Mitmenschen usw. Es geht aber immer weniger nur um den formalen Bildungsabschluss, als auch um die tatsächlichen Kompetenzen, welche erworben wurden - die aber oft nicht ausreichend dokumentiert werden. Auch spannend: Tätigkeiten mit Abfrage-Wissen (also einfache kognitive Tätigkeiten verlieren immer mehr an Bedeutung (werden automatisiert) - mehr als manuelle Fähigkeiten/Tätigkeiten) und es kommt immer mehr darauf an, Wissen auf neue Bereiche anzuwenden und zu übertragen.

Wichtige Skills im 21. Jahrhundert:
1. Ways of thinking: Creativity, critical thinking, problem-solving, decision-making (in unsicherem Umfeld) and learning
2. Ways of working: Communication, collaboration, Konflikte lösen, mit Menschen arbeiten, die anders sind als man selbst
3. Tools for working: information literacy, technology

Lernen muss davon weg gehen, ein Ort zu sein (wir schicken Menschen zur Schule, Uni etc.), sondern eine Aktivität sein, die überall und jederzeit stattfinden kann und muss, und dies individualisiert - nicht jeder lernt gleich, und auch ein Mensch lernt vielleicht in verschiedenen Situationen und Lebensabschnitten auf unterschiedliche Weise.

Der Lerner soll im Mittelpunkt stehen, nicht die Institution. Informelles, lebensbegleitendes Lernen wird wichtiger.

"Kompetenz ist die Währung des 21. Jahrhunderts"

Auch spannend: Berufsbegleitende (Weiter-)Bildung führt zu gleichem Ergebnis wie Vollzeit-Bildung (Studium), selbst wenn auf etwas geringerem Niveau begonnen wird. Verlierer sind die, die weder arbeiten, noch sich weiterbilden. Bei diesen sinkt das Kompetenzniveau sogar noch weiter ab.

Lernen als sozialer und gemeinschaftlicher (kollaborativer) Prozess.

Heute zählt es nicht mehr Generalist oder Spezialist zu sein, sondern die Fähigkeit, sich innerhalb von kurzer Zeit in ein Themengebiet einzuarbeiten und zu einem (temporären) Spezialisten zu werden.

... jetzt aber zu den Sessions, die ich selbst besucht habe.

Lernen im persönlichen Lernnetzwerk (Lisa Rosa)
Präsentation: http://prezi.com/pnrdx3_osaoc/lernen-lernen-lernen-mit-dem-pln/
Lernen wird immer mehr zu einer persönlichen Angelegenheit. Es geht darum, für sich selbst einen Sinn zu finden (Sinnbildungslernen) - die Inhalte und deren Bedeutung müssen selbst nach eigenen Maßstäben erarbeitet werden, es müssen eigene Lösungen gefunden werden.

Sowohl die Inhalte des Lernens (Faktenwissen wird weniger wichtig, da ständig abrufbar) als insbesondere die Art und Weise des Lernens müssen sich verändern.

Im Netz übliche Prinzipien bestimmen immer mehr die Kommunikation, soziale Beziehungen sowie Wissen und Lernen.
>> Mensch-Umwelt-Lernbeziehung
1. Interiorisieren (verinnerlichen)
> sammeln, verarbeiten, ausprobieren, spielen, personalisieren, selektieren, eigenen Sinn finden
2. Exteriorisieren (veröffentlichen)
> Vorläufigkeit akzeptieren
> Wissen ist kein Produkt mehr, sondern ein Prozess (ggf. mit Zwischenprodukten)
> Überlegungen nach außen tragen, nicht warten, bis es "fertig" ist
3. Dialog
> Konnektivismus (wurde in Session nicht so genannt - ist es aber)
> vernetzen, teilen, zusammenarbeiten
> Netzwerke bilden in die Tiefe (Gleiche) und in die Breite (Ungleiche)
>> so nicht im eigenen Saft der gegenseitigen Bestätigung schmoren
> Wissen, das nicht im Umlauf ist, ist schon vergessen

Andere Darstellung:
- WAS lernen (Inhalte)
- WIE lernen (Lernen lernen)
- WARUM (warum benötigt? Welcher Sinn?)

Warum die Digitale Revolution des Lernens gescheitert ist.
(Jöran Muuß-Merholz)
Sketchnote: https://alpha.app.net/ralfa/post/5449826/photo/1
Hier ging es darum, welche Erwartungen es (insbesondere im schulischen Umfeld) an die Digitalisierung des Unterrichts gegeben hat und was daraus geworden ist, wo es also noch Probleme gibt. Realität an den Schulen ist wohl noch eine große Veränderungsresistenz statt Integration von neuen Medien. Dies wird zum Teil mit Berührungsängsten der (oft älteren) Lehrer erklärt, die Sorgen haben, dass sich zeigen könnte, dass Schüler bessere Medienkompetenz als sie selbst haben.
Hier ist der Vortrag gut zusammengefasst auf der re:publica Seite:
http://re-publica.de/sessions/x-learning-warum-digitale-revolution-des-lernens-gescheitert-ist

Medienkompetenz auf dem Lehrplan
(Ute Pannen, Michel Schröder)
Auch Schulbezug. Es geht darum, Medienkompetenz im Unterricht zu vermitteln, zum Beispiel durch Medienmentoren, indem ältere Schüler jüngere Schüler zum Beispiel über die Benutzung von Facebook informieren.
Siehe: http://medienmentoren.de/wiki/Hauptseite

Medienverbot an Schule (Michel Schröder)
Bericht darüber, dass eine Schule die Nutzung von elektronischen Geräten auf dem gesamten Schulgelände (auch in Pausen und Freistunden) verboten hat (außer in einem kleinen Glaskasten, der im Verwaltungstrakt steht) und wie die Schüler dagegen online und offline protestiert haben. Sinn des Verbots soll es unter anderem sein, Cybermobbing zu verhindern und zu vermeiden, dass Schüler sich abkapseln und sich nicht mehr miteinander unterhalten. Ich denke, hier zeigt sich auch sehr deutlich das Kommunikations- und Verständnisproblem zwischen den Generationen (Schüler Michel Schröder schätzt das Durchschnittsalter des Kollegiums auf 45-50).
http://tss-sv.de/medienverbot/

Digitale Nachhilfe für Azubis und Meister
(Kevin Heidenreich)
Infos dazu, wie die IHK mit einen eCampus in der Aus- und Weiterbildung nutzt und Überlegungen dazu, dies weiter auszubauen - aber auch zu überlegen, wo virtuelles Lernen Sinn macht, und wo Präsenz der bessere Weg ist.

Nachwuchsförderung bei Microsoft (Dirk Primbs)
http://primbs.de/2013/05/08/reader-zu-meinem-talk-auf-der-republica/
Ein beispielhafter Überblick über Projekte von Microsoft, um dem Fachkräftemangel auf allen Altersstufen zu begegnen. (Im letzten Jahr waren 25.000 IT-Stellen offen)
- Kiga: Schlaumäuse (MS stellt Geräte und Software zur Verfügung, gerade für Kigas in sozialen Brennpunkten, wo sonst solche Medien kaum zum Einsatz kommen würden)
- internatuten.de (Schule)
- AntMe (programmierbare Ameisensimulation - ca. 7 Jahre bis Uni)
- Kodu (programmieren als Spiel)
- Unis erhalten Software von Microsoft, Studenten günstige Versionen
- StudentPartners (Studenten können sich einbringen)
- Imagine Cup (Projektgruppen)
- Microsoft BizSpartk (StartUp Förderung)

Online universities (Jörn Loviscach)
Hier ging es um MOOCs (xMOOCs). Loviscach hat viele heutige MOOCs mit Lern-Snacks verglichen, teilweise auch mit Junk-Food - also schnell was für zwischendurch mit zum Teil geringer Qualität, kleine Häppchen, oft Wiederverwendung (zum Teil alter) Materialien, Verzicht auf Quellenangaben, fehlende Betreuung, Massenproduktion.

Adventures in Learning (Jan Philipp Schmidt)
Video zum Vortrag: http://www.youtube.com/watch?v=KD_N0mJ7qx0
Wir brauchen bei Lernen Momente wie den, als wir gelernt haben, Rad zu fahren. Erlebnisse, die einen voran bringen und die zu positiven Entwicklungen führen, die man nicht mehr rückgängig machen kann. Ausprobieren, hin fallen, weiter probieren. Dann kann Lernen die Welt verändern - zunächst die eigene und ggf. auch die der Umwelt.
Lernprinzipien, die dazu führen können:
- Passion (beigeistert sein von dem, was man lernt)
- Make Stuff (selbst machen, ausprobieren)
- Play (damit ist nicht zwingend "Fun" gemeint, sondern die Erlaubnis, auszuprobieren und scheitern zu dürfen, ohne dass dies eine Niederlage ist
- Peer2Peer (untereinander, unabhängig von Hierarchien, z. B. Lehrer/Lehrende)
Diese Prinzipien versucht die P2P University des MIT Media Lab umzusetzen
http://learn.media.mit.edu/
Dabei wurde der Kurs mit minimalem Budget erstellt und folgt auch dem Konzept Big & Small (Großer Kurs, kleine Gruppen)

Das Manifest der #mmc13 MOOC Maker für mehr Offenheit in Online-Lernkontexten
(Dörte Giebel, Monika E. König, Heinz Wittenbrink)
Forderung nach
1. Ökonomischer Offenheit
2. Offenheit der Lernmaterialien
3. Offenheit der Plattform und Publikationsformate
Die Folien und das Skript dazu gibt es hier im MOOC Maker Blog.

Mein Fazit
Es zeigt sich durchgängig, dass Faktenlernen immer weniger wichtig wird bzw. nur dann von Bedeutung ist, wenn die Fakten für den momentan relevanten Kontext nötig sind. Viel wichtiger ist es aber, Kompetenzen zu erwerben, um schnell mit neuen Situationen und großen Mengen an Informationen umzugehen und Lernen immer mehr in den Austausch mit anderen zu bringen. Spannend wird es nun zu überlegen, wie sich die Fernlehre verändern muss, um dies zu berücksichtigen. Ich denke, dass die Voraussetzungen dazu mit der Lernform Fernunterricht hervorragend gegeben sind, wenn sich in der Methodik einiges ändert. Ich sehe da eine Verknüpfung zwischen Fernunterrichts-Prinzipien wie insbesondere der tutoriellen Betreuung und der didaktisch aufbereiteten Materialien und cMOOC-Konzepten wie der intensiven Vernetzung und der gemeinsamen Erarbeitung und Diskussion von Ergebnissen. Aber darauf werde ich sicherlich hier in diesem Blog oder an anderer Stelle noch ausführlicher eingehen.

Wie üblich der Hinweis, dass es mir hier nicht um eine sinngetreue oder gar vollständige Wiedergabe der Inhalte geht, sondern ich das notiert habe, was mir wichtig war, wie ich es verstanden oder auch für mich interpretiert habe.

Dienstag, 7. Mai 2013

re:publica 13 #rp13 - Meine Notizen zu Tag 2

Heute habe ich nur zwei Sessions angeschaut und mich außerdem über einige gute Gespräche gefreut - zum Teil mit Menschen, die ich bisher nur virtuell kannte. Und wieder mal festgestellt, dass dieser virtuelle Eindruck meistens mit dem face-to-face Eindruck weitgehend übereinstimmt.

Zuerst habe ich die Diskussionsrunde "Let’s Talk about Content! - Wie sich die Infrastruktur des Internets verändert" verfolgt. Auf dem Podium waren Uta Meier-Hahn (Moderation), Cara Schwarz-Schilling (Bundesnetzagentur), Klaus Landefeld (eco e.V.), Jan Krancke (Deutsche Telekom AG) und Simon Schlauri (Anwalt). Mir ist dabei vieles hinsichtlich der Diskussion zur Netzneutralität deutlich geworden und welche Probleme es mit sich bringen kann, Wenn Netzbetreiber und Content-Provider (wie bei der Telekom) zusammen sind und große bzw. eigene Angebote oder große Kunden bevorzugt behandelt werden, in dem zum Beispiel CDNs genutzt, mehr Bandbreite zur Verfügung gestellt oder Verbrauch nicht auf das Inklusiv-Volumen angerechnet wird. Auch einige technische Zusammenhänge sind mir jetzt deutlich klarer. Von daher eine sehr bildende Session.

Die zweite Session war der Vortrag "News you can't print - journalism beyond the article". Hier ging es um neue Möglichkeiten, aus einer Nachricht eine Story zu machen, die auch berücksichtigt, was den Leser persönlich betrifft und zu der er beitragen kann, zum Beispiel in dem er diskutieren kann oder eigene Medien ergänzen kann. Es ging aber auch darum, Daten verständlich aufzubereiten und verfügbar zu machen. Die beiden Referenten ANNABEL CHURCH | ZEIT ONLINE und FRIEDRICH LINDENBERG | SPIEGEL ONLINE sind zwei von acht Knight-Mozilla OpenNews Fellows - siehe http://www.mozillaopennews.org/.

Und dann bin ich in der Nachbereitung noch auf die Aufzeichnung dieses Rants gekommen - in dem es unter anderem darum geht, wie unsere Gesellschaft mit nicht normgerechten (weil zum Beispiel behinderten) Kindern umgeht, wie veraltet das Bildungssystem ist, indem immer noch zu viel Wert auf Fakten und zu wenig auf Kompetenzen gelegt wird und kaum noch Freiräume zur persönlichen Entfaltung (oder einfach nur spielen) bleibt. Und dazu das Problem, dass ältere Menschen oft die Entscheider sind und die neue, digitale Welt und die jungen Menschen, die damit aufwachsen nicht mehr verstehen können. Sehr sehenswert:


Richtig spannend und für mich der Hauptgrund, die re:publica zu besuchen ist aber der morgige Tag, an dem es sehr interessante Sessions zu Bildungsthemen geben wird.

Montag, 6. Mai 2013

re:publica 13 #rp13 - Meine Notizen zu Tag 1

In diesem Jahr bin ich das erste Mal zur re:publica nach Berlin gefahren. Hier einige Notizen zu den Sessions, die ich besucht habe und was ich daraus mitgenommen habe - ganz subjektiv und ohne Gewähr, dass das richtig wiedergegeben ist.

Mitchell Baker - Mozilla: Building a web we can trust
- convenience vs. privacy (muss jeder ein Stück weit für sich selbst entscheiden)
- Collusion (Visualisierung, wer wie viele Dritt-Cookies setzt und wie diese vernetzt sind
(Firefox-Addon)
- Do not track Initiative / Browser-Option, um dieses Tracking zu verhindern
- webrtc soll Real-Time Communications über den Browser ermöglichen, ohne dass Daten zwischengespeichert werden
- das Web wird für unser Leben und unsere Gesellschaft immer wichtiger, da sollten wir diesem Medium auch vertrauen (können)

Richard Allan, Facebook Director of Policy in Europe
- Diskussion, welche Inhalte Facebook wo auf der Welt sperrt
- wie man gegen eine Löschung/Sperrung Einspruch einlegen kann
- wie Facebook mit Datenanfragen von Regierungen umgeht

Das Buch muss überwunden werden (Mathias Schindler, Ralf Stockmann)
- Großteil über Digitalisierung und Probleme des Urheberrechts, dass abgelaufen sein muss - daher vorwiegend nur alte Bücher frei verfügbar digitalisiert
- dann aber doch noch zum eigentlichen Thema Zukunft des Buchs. Vorteil von ebooks wird hier primär darin gesehen, dass Bücher dann in der Community kommentiert und markiert werden können - ganz ähnlich wie früher, wo Bücher oft noch vorgelesen und dann darüber diskutiert wurde
- auch Analysen sind dann möglich, wer zum Beispiel welche Stellen wo in der Welt wichtig findet
- ein Problem ist im Moment noch, dass es keinen Standard für diese Kommentare und Anmerkungen gibt und somit verschiedene Daten parallel existieren
- es gab hier auch eine Diskussion mit den Besuchern, in denen es zum Beispiel um Haptik ging, das Problem, dass heutige Daten vielleicht künftig nicht mehr gelesen werden können sowie die Verfügbarkeit elektronischer Bücher auch für Menschen mit geringen finanziellen Mitteln

Mittwoch, 1. Mai 2013

Ärgerlich: Artikel in "Website Boosting" ruft zu Forenspam auf

In der Ausgabe #19 (Mai/Juni 2013) der Zeitschrift "Website Boosting" ist der Artikel "Forenlinkbuilding 2.0" von Nicole Mank, Junior-SEO-Consultant bei der SEOSEO GmbH erschienen.

Hierin wird als Maßnahme zum Linkaufbau empfohlen, Links in Forenbeiträgen unterzubringen. Zwar wird einerseits ausgeführt dass kein Foren-Spam betrieben werden soll, andererseits gibt es aber Tipps, wie sich gleich mit zwei Accounts anzumelden, um sich gegenseitig zu antworten, Links später durch nachträgliches editieren von Forenbeiträgen einzufügen und allgemein darauf zu achten, dass die Beiträge mit den Links nicht als Werbung erkannt werden - denn genau das sind sie ja eigentlich. Es geht sogar soweit, dass empfohlen wird, Links durch Formatierungen "unsichtbar" zu machen (immerhin mit dem Hinweis, dass dies "Blackhat" wäre) oder Konkurrenten mit aufzuzählen und durch Formatierungen den Anschein zu erwecken, dass diese Seiten auch verlinkt wären, aber in Wirklichkeit nur die eigene Seite zu verlinken.

Bei Fernstudium-Infos.de kam es in der Vergangenheit auch schon manchmal vor, dass versucht wurde, Links einzuschmuggeln. Meist fällt mir oder anderen Benutzern dies gleich auf, die Beiträge werden gelöscht und die Benutzer dauerhaft gesperrt, so dass sie sich zumindest mit der gleichen Mail-Adresse nicht mehr anmelden können. Außerdem habe ich in den bei er Registrierung zu akzeptierenden Forenregeln einen Passus drin, dass nicht abgestimmte Werbung mit 1.000 Euro monatlich netto berechnet wird. Auch technische Vorkehrungen schützen vor Spam, zum Beispiel können Beiträge nur eine begrenzte Zeit nachträglich verändert werden.

Dennoch sind solche Beiträge/Aufrufe ärgerlich, weil sie vermutlich dazu führen werden, dass manche Agenturen und selbsternannte SEOs verstärkt versuchen werden, auf dieses Mittel zu setzen und damit zusätzlichen Aufwand verursachen, um das Forum "sauber" zu halten. Schade, dass solche Beiträge in ansonsten sehr soliden Publikationen wie der Zeitschrift "Website Boosting" angenommen und veröffentlicht werden.

COER13 - Wechsel vom wOERker zum Lurker

Eigentlich hatte ich ja vor, mir für den #COER13 MOOC ein wOERker-Badge zu erarbeiten. Nun läuft aber parallel der #ichkurs und ich merke auch, dass ich im Thema OER dann doch nicht so aktiv drin stecke, um mich hier aktiv genug zu beteiligen, um mir auch den Nachweis zu erarbeiten. Daher habe ich entschieden, künftig noch mehr in die Beobachterperspektive zu gehen - was aber natürlich weitere Beiträge hier im Blog nicht ausschließt. Aber ich möchte mich da einfach nicht unter den Druck setzen, Arbeitsaufträge auszuführen etc.

Dienstag, 30. April 2013

ich.kurs 13 - Lebenslinie

Eine der Aufgaben in der ersten Kurseinheit ist es, eine Lebenslinie zu erstellen. Dabei geht es darum, für wichtige Lebensereignisse festzuhalten, wie es einem zu dem jeweiligen Zeitpunkt ging (Skala von 0 bis 10).

Eine PDF als Vorlage gibt es hier.

Empfohlen wird, von der Gegenwart auszugehen und dann nach und nach weiter in die Vergangenheit zurück zu gehen.

Gedanklich hatte ich mich damit bereits beschäftigt und wollte jetzt eigentlich etwas zu Papier bringen. Dabei ist mir bewusst geworden, dass dies gar nicht so einfach möglich ist.

Wenn ich an einige Ereignisse in meinem Leben denke, bei denen ich zunächst meine, dass es mir da sehr schlecht ging, so mag das in vielerlei Hinsicht tatsächlich so gewesen sein, in anderer Hinsicht lagen aber auch gerade darin Anstöße für Verbesserungen oder auch schöne Erlebnisse, die sehr positiv prägend waren, auch wenn es aufgrund der insgesamt schwierigen Verhältnisse zeitlich immer nur kurze Momente waren.

Vieles gehört nicht in einen öffentlichen Blogbeitrag. Aber ein Beispiel kann ich nennen. Wenn ich an die Geburt meines Sohnes und die anschließende Feststellung zurück denke, dass er das Down Syndrom hat, so war das in gewisser Hinsicht schon erstmal das Gefühl, dass jetzt die "Welt zusammen brechen würde" und es ging mir definitiv schlecht, auch aufgrund von vielen damit verbundenen Entwicklungen und Belastungen. Auf der anderen Hinsicht habe ich auch gerade in dieser Zeit gemerkt, wer mich und uns wirklich unterstützt hat und im Verhältnis zu meinen Sohn habe ich Liebe in einer bisher kaum gekannten Intensität erlebt (und erlebe dies bis heute). Wo also sollte ich da auf der Lebenslinie einen Wert festlegen?

Ich habe die Aufgabe für mich genutzt, um wichtige Ereignisse in meinem Leben nochmal durchzugehen und bin fast überall zu dem Ergebnis gekommen, dass sowohl die auf den ersten Gedanken als sehr schön erinnerten Zeiten als auch die zunächst nur mit negativen Eindrücken verbundenen Abschnitte fast immer auch eine andere Seite hatten.

Dennoch bleibt ein gewisses Fazit, was für mich wesentlich ist, damit ich mich gut fühle. Aktiv sein zum Beispiel, etwas bewegen, nach meinen Vorstellungen leben können und Freiräume haben, etwas ausprobieren können und positive Begegnungen mit Menschen in einer guten Mischung mit Rückzugszeiten für mich sowie Zeiten der Entwicklung und als Gegenpol eher konstante Zeiten oder zumindest konstante Lebensbereiche. Natürlich auch die eigene Gesundheit und die der Menschen, die mir wichtig sind.

Und als Konsequenz daraus auch künftig darauf zu achten möglichst viel dafür zu tun, damit es mir gut geht und zu wissen, was dies ist. Verbunden mit dem Bewusstsein, dass manches sich auch nicht beeinflussen lässt und das oft zunächst negativ erscheinende Ereignisse häufig auch Gutes mit sich bringen.