Sonntag, 12. Mai 2013

ich.kurs 13 - Mein Lieblingsthema: Kommunikation

Seit rund 20 Jahren beschäftige ich mich intensiv mit dem Thema Kommunikation (Seminare, Bücher, etc.) und es fasziniert mich immer wieder, weil darin so viele Möglichkeiten liegen, so viel schief gehen kann und es einerseits spannend ist zu beobachten, wie Kommunikationssituationen im Alltag verlaufen, aber auch immer wieder das eigene Kommunikationsverhalten kritisch zu hinterfragen und zu versuchen, es zu optimieren (was sich bei über Jahren geprägten Gewohnheiten oft als schwierig erweist).

Deshalb habe ich mich auch sehr gefreut, dass es im ich.kurs 13 gleich in der ersten regulären Einheit nach der Einführung um dieses Thema geht und ich bin froh, dass ich nach einer sehr intensiven Woche mit re:publica und anderen Eindrücken heute morgen Zeit habe, mich etwas mit den Inhalten zu beschäftigen.

Zunächst möchte ich auf die Kursseite zu dieser Einheit hinweisen - die Inhalte stehen ja auch allen offen, die nicht zum Kurs angemeldet sind:
http://ichkurs.de/einheit/kommunikation/

Los geht es mit einem Einführungsvideo von Kursleiter Johannes Moskaliuk in zwei Teilen.

Teil 1:


Los geht es, wie fast immer, wenn es irgendwo um das Thema Kommunikation geht, mit der bekannten Aussage von Paul Watzlawick, dass man nicht nicht kommunizieren kann - einem von fünf seiner Axiome zur Kommunikation. Alle fünf lauten:
1. Man kann nicht nicht kommunizieren
2. Jede Kommunikation hat einen Inhalts- und einen Beziehungsaspekt
3. Kommunikation ist immer Ursache und Wirkung
4. Menschliche Kommunikation bedient sich analoger und digitaler Modalitäten
5. Kommunikation ist symmetrisch oder komplementär

Anschließend geht es darum, was denn gute Kommunikation ist. Kommunikation wird dabei als Schnittstelle zwischen "innen" und "außen", zwischen "dir" und "mir" dargestellt. Dabei müssen eigene Ansichten, Gefühle, Wünsche etc. so "übersetzt" werden, dass ein anderer sie verstehen kann. Und dieser "Übersetzungsprozess" birgt dann auch die vielfältigen Probleme und Missverständnisse, die Kommunikation oft so mit sich bringt. Dann wird vorgestellt, welche Elemente in der Kurseinheit besprochen werden (zum Beispiel Klassiker wie das Kommunikationsquadrat von Thuns).

Danach wird in Inhalte der Kurseinheit eingeführt, zu denen es dann auch noch Texte gibt, die ich mir später anschaue. Daher hier noch ein kurzer Überblick: Zunächst wird die Informationstheorie von Shannon/Weaver vorgestellt. Kommunikation wird dabei als Übertragung von Nachrichten von einem Sender zu einem Empfänger verstanden und. Dabei erfolgt beim Sender eine Encodierung und beim Empfänger eine Decocierung. Und diese Prozesse können in Verbindung mit dem Kommunikationskanal zu Problemen/Störungen führen.

Danach wird Common Ground (Herbert Clark)als wichtige Voraussetzung für erfolgreiche Kommunikation erläutert (interessant für mich, da ich dieses Modell noch nicht kannte). Common Ground ist dabei das gemeinsame Wissen sowie gemeinsame Annahmen und Meinungen von Gesprächspartnern. Dabei ist diese gemeinsame Basis nicht statisch, sondern wird während eines Gesprächs immer wieder überprüft und angepasst (Grounding). Es werden Beispiele für Grounding (paraphrasieren, Gesten, nachfragen etc.). Meist läuft Grounding unbewusst ab. Missverständnisse können entstehen, wenn kein erfolgreiches Grounding erfolgt. Von Clark gibt es dann auch noch einige Heuristiken zum Common Ground (Community Membership, Bisher Gesagtes, geteilte Umwelt). Häufig wird Common Ground vorausgesetzt, obwohl er gar nicht vorhanden ist (zum Beispiel wird innerhalb einer Community, zum Beispiel Kollegen im Beruf, Vorwissen vorausgesetzt, was aber vielleicht gar nicht vorhanden ist). Um dies zu vermeiden, kann es sich lohnen, Grounding bewusst durchzuführen und immer wieder zu prüfen, ob tatsächlich Common Ground vorhanden ist.

Teil 2:


Hier geht es wieder um einen Klassiker: Das Kommunikationsquadrat von Thuns. Jede Nachricht hat vier Seiten - jeder Sender spricht mit vier "Schnäbeln", jeder Empfänger hört mit vier "Ohren". Die vier Seiten sind:
- Sachebene
- Selbstoffenbarung
- Beziehungsebene
- Appell
Das Kommunikationsquadrat eignet sich sehr gut dazu, um Kommunikationssituationen zu analysieren.

Dann geht es zurück zu Paul Watzlawick und Johannes Moskaliuk erzählt die "Geschichte mit dem Hammer", allerdings in Abwandlung als "Geschichte mit dem Ei", aus dem Buch "Anleitung zum Unglücklichsein" Watzlawicks. Die Geschichte macht deutlich, dass Menschen sich ihre eigene Wirklichkeit konstruieren, was schnell zu Missverständnissen und Unterstellungen führen kann. Wenn zwei Menschen miteinander kommunizieren, treffen also zwei Wirklichkeiten aufeinander. In diesem Zusammenhang wird dann das Konzept der Attribution (Ursachenzuschreibungen) erläutert.

Zu den in den beiden Videos kurz behandelten Themen gibt es auch noch ausführliche Artikel mit Texten und Grafiken. Dabei wird dann auch schon mehr auf die Anwendung des Wissens auf sich selbst Bezug genommen, da die jeweiligen Beiträge mit Reflektionsfragen enden. Ich bin für mich zum Beispiel einige Situationen gedanklich mit dem Kommunikationsquadrat durchgegangen. Allerdings ist da dann wieder ein Punkt erreicht, an dem es für diesen öffentlichen Blog zu persönlich würde, diese hier zu dokumentieren.

Die vier Seiten einer Nachricht (Kommunikationsquadrat)
Neben dem Input gibt es unter anderem eine Vorlage, anhand der Situationen anhand des Kommunikationsquadrats analysiert werden können und es werden einige Reflektionsfragen dazu gestellt, auf welche Seiten man selbst besonders anspricht etc.

Common Ground / Grounding
Hier werden ergänzend zu den oben schon ausgeführten Grundlagen und den Heuristiken noch die drei Grounding-Strategien ausgeführt:
1. Backchanneling (verbale und non-verbale Rückmeldungen, wie etwas verstanden wurde)
2. Reaktionen (Antworten/Handlungen), die zeigen, wie etwas verstanden wurde
3. Aufmerksamkeit gegenüber dem Sprecher

Informationstheorie: Sender - Nachricht - Empfänger
Hier wird neben der oben im Zusammenhang mit den Videos schon erwähnten Informationshtheorie von Shannon/Weaver auch auf die Konversationsmaximen von Herbert Paul Grice (auch ein neuer Input für mich):
- Qualität: Sagen Sie nur, was wahr ist
- Quantität: Geben Sie die Informationen, die notwendig für das Gespräch sind
(nicht mehr und nicht weniger)
- Relevanz: Bleiben Sie beim Thema des Gesprächs
- Klarheit: Vermeiden Sie unklare, mehrdeutige oder ausschweifende Formulierungen.

Die Geschichte mit dem Ei
Verschiedene Wirklichkeiten - Attribution

Ich-Botschaften
Auf dieses (auch klassische) Thema wurde in den Videos noch nicht eingegangen. Es steht aber im Mittelpunkt vieler Übungen zu dieser Kurseinheit. Ich-Botschaften dienen insbesondere in Konfliktsituationen dazu, die eigenen Gefühle, Wahrnehmungen, Erwartungen und Bedürfnisse auszudrücken, ohne den anderen anzugreifen und zu beschuldigen. Dadurch erhöhen sich die Chancen für eine konstruktive Lösung des Konflikts. Sehr anschaulich und mit Beispielen werden die vier Elemente einer Ich-Botschaft erläutert:
1. Beobachtung formulieren, ohne zu bewerten
2. Gefühle ausdrücken, ohne den Gesprächspartner zu bewerten
3. Eigene Bedürfnisse deutlich machen, ohne Schuldzuweisung
4. Bitte/Frage stellen - keine Forderung stellen

Damit habe ich mich nun (länger als geplant) mit den theoretischen Inhalten für diese Einheit beschäftigt. Ein Teil war eine gute Auffrischung von Bekanntem, einiges war aber auch neu (z. B. Grounding) oder wurde um neue Aspekte bereichert. Im internen Kursbereich besteht nun noch die Möglichkeit, sich aktiv mit den Inhalten bezogen auf die eigene Persönlichkeit zu beschäftigen und in den Dialog zu kommen. Ich muss mal schauen, in welchem Umfang ich dort noch aktiv werde. Auch während ich mich jetzt mit den Inhalten beschäftigt habe, habe ich einiges gedanklich schon auf Situationen aus meinem Leben bezogen.

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