Sonntag, 9. Juni 2013

ich.kurs 13 - Einheit 2: Ziele

Eigentlich ist der ich.kurs schon in der dritten Einheit (Werte), aber ich komme erst heute mal wieder dazu, mich intensiver mit dem Kurs zu beschäftigen, also erstmal Thema Ziele.

Motivation

Um Ziele zu erreichen, ist neben einer guten Zieldefinition auch die Motivation ganz wichtig. Motivation wird hier als Kraft verstanden, von einem Ist-Zustand zu einem Ziel-Zustand zu kommen und als Produkt von Erwartung und Wert beschrieben:
- Erwartung = wie wahrscheinlich ist es, dass ich das Ziel erreichen kann (eigene Fähigkeiten, äußere Rahmenbedingungen etc.)
- Wert = Wie wichtig ist mir das Ziel?

Daraus folgt:
- Wenn mir ein Ziel zwar sehr wichtig ist, aber ich die nötigen Voraussetzungen zur Zielerreichung nicht schaffen kann, wird die Motivation gering sein
- Wenn ich ein Ziel zwar höchstwahrscheinlich erreichen kann, es mir aber eigentlich gar nicht so wichtig ist, wird die Motivation ebenfalls gering sein

Es heißt aber auch:
- Eine etwas geringere Erwartung kann durch besonders viel Wert ausgeglichen werden und ebenso umgekehrt

Außerdem kann die Erwartung und der Wert auch dadurch beeinflusst werden, wie andere darüber denken (also, ob sie meinen, dass ich ein Ziel erreichen kann bzw. ob sie es für ein wichtiges und gutes Ziel halten).

Motivation und Volition

Motivation: Setzen und Bewerten von Zielen
Volition: Aufrechterhaltung und Realisierung von Zielen

Rubikonmodell/Handlungsphasen
http://ichkurs.de/ziele/rubikonmodell/

Idealtypischer Ablauf - in der Praxis ist es oft nötig, zwischen den Phasen zu springen

1. Abwägephase:
- gezielte Suche nach Informationen zu Erwartung und Wert meines Ziels
- auch Neues und Unbekanntes soll in diese Suche mit einbezogen werden

Zwischen der Abwägephase und der Planungsphase wird der Rubikon überschritten. Damit ist gemeint, dass die Entscheidung ein Ziel erreichen zu wollen feststeht. Gelingt dies nicht, wird das Ziel später bei Schwierigkeiten sehr schnell immer wieder in Frage gestellt. Es lohnt sich also, sich für die Abwägephase ausreichend Zeit zu geben, bevor es mit der Planungsphase weitergeht, um nicht später immer wieder aufgehalten zu werden.

2. Planungsphase:
Hier verschiebt sich der Fokus der Aufmerksamkeit auf die Informationen, die für die Umsetzung eines Ziels notwendig sind (von der Motivation zur Volition). Es wird alles ausgeblendet, was mich davon abbringen könnte, mein Ziel zu erreichen.

3. Handlungsphase:
Umsetzung. Handeln, Ziel im Auge behandeln, mit Hindernissen und Misserfolgen umgehen (zum Beispiel Anstrengung erhöhen oder Planung ändern)

4. Bewertungsphase:
- Ziel erreicht oder nicht?
- Attribution von Erfolg oder nicht Erfolg (Ursachenforschung, mit Auswirkungen für künftiges Denken und Handeln)

Zur Zielerreichung kann helfen:
- Aufmerksamkeit kontrollieren: Hinderliche Informationen ausblenden
- Motivation kontrollieren: Sich vergegenwärtigen, wie hoch Wert und Erwartung sind
- Emotionen kontrollieren: Aufmerksamkeit auf Aspekte, die zufrieden und zuversichtlich stimmen
- Umwelt kontrollieren: Umgebungen vermeiden, welche die Zielerreichung erschweren

SMART
http://ichkurs.de/ziele/smarte-ziele/

Für die Zieldefinition wird auf das klassische SMART-Modell zurückgegriffen, das mir schon sehr häufig begegnet ist. Ziele sollen demnach
- spezifisch
- messbar
- anziehend/attraktiv
- realistisch
- terminiert
sein.

Interessant und finde ich hier, die Verbindung zu den Überlegungen oben (Motivation, Volition, Handlungsphasen) herzustellen:

anziehend/attraktiv = Wert = Abwägephase
realistisch = Erwartung = Abwägephase

spezifisch = Planungsphase, auch wichtig für Bewertungsphase
messbar = wichtig für Bewertungsphase
terminiert = wichtig für Bewertungsphase, aber auch für die Handlungsphase

Wenn-Dann Pläne - Verhaltenssteuerung
http://ichkurs.de/ziele/implementation-intentions/

Hier geht es darum, wie mit Problemen umgegangen werden kann, die von der Zielerreichung abhalten könnten, wie zum Beispiel Ablenkung oder Ärger. Es wird zwar nicht so genannt, scheint hier aber im Grunde um eine Konditionierung (Reaktion auf einen Reiz) zu gehen bzw. die Bildung von Gewohnheiten, bezogen auf ein Ziel.

Vereinfacht geht es darum, sich zu überlegen, wie eine positive Reaktion auf einen bestimmten Reiz aussehen könnte, auf den bisher negativ (im Sinne des Ziels) reagiert wurde.

Besteht also zum Beispiel das Ziel, sich an der frischen Luft zu bewegen durch Regen jedes mal in Gefahr gerät, könnte eine Formulierung sein:
Wenn es zu meiner festgelegten Trainingszeit regnet, hole ich die zuvor im Schrank bereitgelegten Regensachen heraus und ziehe diese an.

Lage- und Handlungsorientierung
http://ichkurs.de/ziele/handlungs-vs-lageorientierung/

Hier geht es darum, wie die eigene Persönlichkeit sich auf den Umgang mit Problemen bei der Zielerreichung auswirkt.

Handlungsorientierte Menschen fokussieren auf den nächsten Schritt. Bei Misserfolgen probieren sie schnell etwas Anderes aus, wenn sie einen Fehler erkannt haben. Die Gefahr besteht darin, dass zu wenig Zeit auf die Analyse eines Misserfolgs gelegt wird und dadurch möglicherweise besser Lösungsalternativen nicht erkannt werden.

Lageorientierte Menschen konzentrieren sich auf die aktuelle (Gefühls-)Lage, in der sie sich gerade befinden. Damit verbundene Gefühle und Gedanken werden sie nur schwer wieder los. Bei Misserfolgen machen sie sich selbst und anderen Vorwürfe und benötigen oft lange, bis sie einen neuen Versuch starten.

Sehr erfolgreich kann es sein, wenn ein handlungs- und ein lageorientierter Mensch zusammen arbeiten. Ansonsten kann es auch helfen, sich die eigene Orientierung bewusst zu machen und zu versuchen, bewusst einen Schritt in Richtung der jeweils anderen Orientierung zu machen.

Weitere Themen

In der Kurseinheit werden noch einige weitere Themen angesprochen, mit denen ich mich (aus Zeitgründen, und weil ich mich auf das für mich wichtigste konzentrieren wollte) nicht intensiver beschäftigt habe (zum Beispiel sollen Zieleheiß sein und das Umfeld mit berücksichtigt werden).

Interessant fand ich den Vergleich mit dem Buch "Studieren kann man lernen" von Kira Klenke, über das ich gerade an einer Rezension schreibe und in dem das Thema Ziele auch viel Raum einnimmt. Die SMART-Formel wird (natürlich) auch da wieder heran gezogen, aber auch ein Teil der anderen im ich.kurs erwähnten Konzept wird herangezogen (zum Beispiel die Frage, was einem die Ziele wert sind). Und es wird alles konkret auf das Thema Studium bezogen. Außerdem werden einige Möglichkeiten vorgestellt, das Ziel ständig vor Augen zu haben, zum Beispiel durch Visualisierungen oder Merkzettel.

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