Montag, 5. August 2013

Prof. Hüther bei Kapazunda - Lebenslanges Lernen

Kapazunda scheint eine ähnliche Ausrichtung wie die TED-Vorträge zu haben, allerdings als österreichisches Produkt und bisher nur mit einer sehr kleinen Auswahl an Inhalten, unter anderem mit einem Vortrag von Prof. Dr. Gerald Hüther zum Thema Was wir sind und was wir sein könnten.

Der Vortrag ist sehr sehenswert. Erst hat mich die Länge (1 Stunde, 22 Minuten) ja abgeschreckt, aber nun bin ich doch froh, dass ich die Zeit investiert habe.

Prof. Hüther ist Neurobiologe und ich bin schon mehrmals in verschiedenen Zusammenhängen über ihn "gestolpert". In diesem Vortrag geht es vor allem darum, dass es für unser Gehirn lebenslang möglich ist, neue Verschaltungen aufzubauen, also zu lernen.

Diese Erkenntnis gab es früher nicht, aber jetzt doch auch schon seit einiger Zeit. Neu ist aber die Erkenntnis, dass das Gehirn kein Muskel ist - ein Lerneffekt bzw. der Erhalt der Veränderungsfähigkeit ergibt sich nicht durch gleichbleibende Benutzung wie zum Beispiel Sokudos oder Kreuzworträtsel lösen, sondern nur dann, wenn es denn Eindruck hat, dass etwas bedeutsam ist. Und dieser Eindruck ensteht, wenn Emotionen im Spiel sind, wenn uns etwas begeistert und berührt.

Das ist auch das Problem in der Schule - es wird oft kaum versucht, die Begeisterung der Kinder zu wecken, sondern streng nach Lehrplan wird wissen vermittelt, in der Prüfung abgespult, und dann wieder vergessen.

Interessant fand ich, dass Prof. Hüther das Beispiel von Menschen mit Trisomie 21 (Down-Syndrom) gebracht hat, denen man früher nicht zugetraut hat, etwas zu lernen und wenn man es mit den klassischen Methoden versucht hat, hat es tatsächlich nicht geklappt. Heute zeigt sich, wenn man es schafft die Faszination bei diesen Menschen zu wecken und die Augen zum Leuchten zu bringen, können sie sehr viel lernen - manche sogar bis hin zu regulären Schulabschlüssen und in Ausnahmefällen sogar darüber hinaus.

Etwas provokant war die These, dass wir vom Gehirn her alle nur eine Kümmerversion dessen sind, was aus uns hätte werden können. Das wäre aber nicht so schlimm, weil ja lebenslang noch die Möglichkeit besteht, daran etwas zu ändern - wir müssen es nur schaffen, uns für Neues zu begeistern.

Als günstige Lebensbedingungen für das Gehirn (und den Menschen allgemein) nennt Hüther:
1. Verstehbarkeit
2. Gestaltbarkeit
3. Sinnhaftigkeit

Prof. Hüther fordert eine neue Kultur, in der anders miteinander umgegangen wird, um neues Lernen zu ermöglichen - im Kontakt mit anderen Menschen, die auch möglichst anders sein sollten, um nicht im eigenen Saft zu schmoren. Früher wäre das durch Großfamilien, dörfliche Kulturen und ein altersübergreifendes, eingliedriges Schulsystem möglich gewesen. Aber heute gäbe es überall Homogenität, die dann zu Konkurrenzdenken führt und zu Streit und Kritik statt Zuwendung und Wertschätzung, die aber für echte Entwicklung wichtige Voraussetzungen sind. Einen Ausgleich könnten Nachbarschftsgemeinschaften in Art einer Kommune bilden.

Aber auch der Einzelne kann viel dafür tun, um positive Rahmenbedingungen zu schaffen:
- Achtsamkeit: Wahrnehmen, was um einen herum passiert
- behutsam statt rücksichtslos mit anderen Meschen umgehen
- das Geheimnis des Gelingens erleben (gelungene Beziehungen, gelungenes Leben, etc.)
> gelingen ist nicht gleich Erfolg und auch nicht gleich machen!
> gelingen bedeutet vielmehr, den Rahmen zu schaffen, der dann das Gelingen ermöglicht

Es sei darauf hingewiesen, dass meine Notizen weder vollständig sind, noch den Anspruch haben korrekt zu sein, sondern meine persönlichen Eindrücke zu schildern und was ich für mich mit genommen habe.

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