Freitag, 17. Januar 2014

Die schädliche Wirkung von Erwartungen

In dieser Woche habe ich mehrfach beobachtet, wie schädlich, ja geradezu zerstörerisch Erwartungen sind, wie sich andere Menschen verhalten sollen oder Unterstellungen (die ja auch eine Form von Erwartungen sind), aus welcher Motivation heraus sie dies tun.

Es gibt eine bestimmte Erwartung, meist die, dass sich irgendjemand in einer bestimmten Weise verhalten soll - meist so, wie man sich selbst verhält oder sich zumindest gerne verhalten würde. Wird diese Erwartung nicht erfüllt, wird eine böse Absicht und Schlechtes unterstellt und oft tritt eine Blockade für andere Sichtweisen und Argumente ein.

Und sehr oft scheint es dabei um das eigene Ego zu gehen, dass einem nicht genug gestreichelt wurde.

Ich erlebe dies sowohl bei mir selbst, als auch bei anderen, sowohl privat, als auch im beruflichen Umfeld.

Schade ist es besonders, wenn es dann statt zu einer Klärung und ggf. angepasstem Verhalten zu einem Rückzug kommt.

Ganz ohne Erwartungen geht es wohl nicht - oder doch? - Wir haben Erwartungen an uns selbst und an andere, ja sogar an Situationen bis hin zum Wetter. Also häufig auch an Dinge, die wir eh nicht verändern können und auf die wir keinen direkten Einfluss haben. Und ganz oft besteht die Erwartung, dass alle so "ticken" wie wir selbst und vergessen dabei, dass jeder seine eigene Welt hat, geprägt durch seine Erfahrungen und Einstellungen.

Können Erwartungen auch positiv sein? - Ich denke schon. Und zwar dann, wenn diese eher in Richtung von Zielen gehen und der Motivation dienen. Zum Beispiel zu erwarten, dass eine Aufgabe oder Prüfung erfolgreich absolviert werden kann. Also immer dann, wenn ich auch aktiv etwas dafür tun kann, dass sich die Erwartungen erfüllen und diese auch realistisch sind. Und nicht, wenn ich ganz oder überwiegend von äußeren Umständen oder dem Verhalten anderer Menschen abhängig bin oder die Erwartungen überzogen sind.

Was nun tun, um den negativen Einfluss von Erwartungen zu reduzieren?

- Achtsamkeit - sehen, was im Moment ist, statt sich vorwiegend mit dem zu beschäftigen, was sein sollte

- reden, nach Motivation von anderen für ein bestimmtes Verhalten fragen. Macht aber nur dann Sinn, wenn diese bereit zur Reflektion sind und eine Nachfrage nicht als Angriff verstehen. Ein "Warum?" wirkt hier meist eher aggressiv als ein "Was?" oder "Wie?"

- im Vorfeld deutlich machen, was für ein Verhalten man sich wünscht. Damit lassen sich 1. spätere Enttäuschungen vermeiden, da der Empfänger des Wunsches gleich sagen kann, dass er diese Erwartung nicht erfüllen kann oder möchte und 2. werden so viel eher Hintergründe deutlich und Missverständnisse reduziert - statt dessen kann im Optimalfall Verständnis erzielt werden, warum der andere sich nicht so verhält, und vielleicht sind uns diese dann sogar plausibel und eine Enttäuschung kann vermieden werden.

Ein wenig googeln hat zu diesem Thema ergeben:

- Definition laut Wikipedia:
"Der Begriff Erwartung spielt eine zentrale Rolle in der Soziologie. Zum einen beschreibt er die Annahme eines Handelnden darüber, was ein anderer oder mehrere andere tun würden (antizipatorische Erwartung) bzw. was er oder andere billigerweise tun sollten (normative Erwartung)."

Probleme entstehen nach meiner Erfahrung vor allem durch normative Erwartungen.

- http://www.seele-und-gesundheit.de/psycho/erwartung.html

Hier gefällt mir die Unterscheidung zwischen Vermutung und Anspruch. Vermutungen sind notwendig, da wir nicht jede Entscheidung abstimmen können. Erweist sich die Vermutung als falsch, kann ohne Ärger darauf reagiert werden. Ein Anspruch hingegen besteht die Gefahr einer Kränkung oder Enttäuschung.

Als Fazit wird hier genannt: "Respektieren Sie das Selbstbestimmungsrecht der anderen. Unterlassen sie alle Versuche der Manipulation und erst recht jede Drohung. Statt dem Anderen die Freiheit streitig zu machen, genau das zu tun, was er für richtig hält, nehmen Sie sich selbst die Freiheit, konsequent im eigenen Interesse zu handeln."

- http://www.pro-retina.de/beratung/psychologische-beratung/artikel/die-tuecke-der-erwartungen

In diesem Beitrag wird zwischen Erwartungen mit hoher Erfolgsquote und solchen mit hoher Enttäuschungsquote unterschieden.

Erwartungen mit hoher Erfolgsquote sind solche, bei denen die Erwartung vorab und vielleicht sogar schriftlich und möglichst eindeutig formuliert wurde, also zum Beispiel Verträge, aber auch allgemein Absprachen, sofern diese einvernehmlich erzielt wurden.

Erwartungen mit hoher Enttäuschungsquote sind die, bei denen ich dem anderen unterstelle, dass er weiß, was ich von ihm erwarte, ohne dies kommuniziert zu haben. Oft kommt es dann im Nachhinein zum Vorwurf.

- http://www.zeitzuleben.de/23530-welche-erwartungen-haben-sie/

Hier gibt es Hinweise, wie die eigenen Erwartungen ermittelt werden und wie man damit umgehen kann.