Montag, 23. Juni 2014

Ist Geben besser als Nehmen?

Der Sinnspruch "Geben ist seliger als nehmen" ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet. Aber trifft er auch uneingeschränkt zu? Sicher ist es gut, anderen etwas abzugeben und sie zu unterstützen und nicht nur an sich selbst zu denken und alles haben zu wollen. Dennoch sehe ich auch andere, etwas kritischere Aspekte.

1. Geben als Aufdrängen

Es stellt sich doch die Frage, ob geben wirklich in altruistischer Form erfolgt, oder nicht oft vielmehr ein Mittel zum Zweck ist und vielleicht dazu dient, andere zu manipulieren.

Da wird zum Beispiel dem anderen etwas geschenkt, um ihn zu einer Aktivität zu bringen (zum Beispiel das Sportgerät oder der Gutschein für ein Probetraining), seinen Kleidugsgeschmack dein eigenen Wünschen anzupassen oder aber zu einer Veranstaltung einzuladen, die man doch selbst gerne endlich mal besuchen möchte und nicht alleine hin gehen mag.

Und einem "geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul" - also hat der Geschenkte auch die Verpflichtung, das Gegebene anzunehmen, zu nutzen und sich gefälligst darüber zu freuen.

Auch Ratschläge werden immer gerne gegeben - gut, wenn danach gefragt wurde und dann jemand da ist, der mit seiner Meinung und Lösungsvorschlägen da ist. Schlecht, wenn es darum geht, vor allem die eigenen Vorstellungen bei jemand anderem durchdrücken zu wollen.

Wenn Organisationen (egal ob karitativer oder religiöser Art), die auf Spenden angewiesen sind, den Spruch bemühen, hat das für mich auch immer ein "Geschmäckle" - denn immerhin ist damit ja auch die Drohung kein geben = kein Segen verbunden... - was dann doch schon eine Menge Druck aufbaut. Besser wäre es dann doch zu sagen, dass man eben auf die Spenden angewiesen ist, um und seine Dienstleistungen erbringen zu können. Und auch Wohltätigkeitsorganisationen erbringen meiner Meinung nach eine Dienstleistung - sie vermitteln das Gefühl, etwas Gutes zu tun. Und im besten Fall tuen sie das auch tatsächlich.

Letztlich mag es auch manchen geben, der gibt und etwas tut, weil er die ständige Selbstbestätigung, das Lob und den Dank braucht und dies damit erzwingen möchte.

2. Nicht nehmen können

Auf der anderen Seite ist es auch so, dass der Eindruck entstehen könnte, dass man nichts annehmen dürfte, da geben ja besser ist. Oder man möchte alles, was man erhalten hat dann auch gleich wieder zurück geben und das möglichst in noch besserer, größerer, schönerer Form, als das, was man erhalten hat. Dabei kann gerade das Annehmen einer Unterstützung oder eines Geschenkes dem Gebenden viel bedeuten und ihm eine große Freude machen.

Fazit

Auch was das Geben und Nehmen angeht, kommt es auf das richtige Maß und die Einstellung an. Und diese kann nur jeder für sich (und ich werde dies für mich versuchen zu tun) immer wieder überprüfen.