Sonntag, 8. Juni 2014

The Circle: Google - Facebook - 1984

Das Buch "The Circle" (Amazon*) von Dave Eggers beschreibt ein privates Unternehmen, das sich ganz der Transparenz und Öffentlichkeit aller Menschen verschrieben hat, dies als Ideal verkauft und es allen Menschen aufzwingen will.

Vieles, was darin beschrieben wird, lässt sich heute bereits in sozialen Netzwerken beobachten und ist technisch bereits machbar, wenn auch noch nicht in der im Buch beschriebenen Perfektion.

So gibt es ja bereits Geräte, die fortlaufend Vitalfunktionen wie Puls, Sauerstoffsättigung oder Schritte messen und in der Cloud speichern, auf Wunsch auch veröffentlichen. In "The Circle" trägt man dafür dann irgendwann einen Chip in sich, der Säuglingen verpasst wird und einen dann sein Leben lang begleitet.

Der Roman zeigt sehr schön auf, welche Schattenseiten auf den ersten Blick positiv erscheinende Entwicklungen haben können und wie sie zum Gegenteil von dem führen können, für das sie eigentlich gedacht waren.

So ist es in "The Circle" so, dass immer mehr Menschen sich entscheiden, transparent zu werden und alles was sie sehen hören und selber sagen öffentlich ins Netz zu übertragen. Dies soll dazu führen, dass sich auf Grund der Überwachung niemand mehr traut, etwas Verbotenes oder Unmoralisches zu tun. Es zeigt sich, dass einerseits Schlupflöcher gesucht werden (so findet echte Kommunikation plötzlich nur noch während der erlaubten 3-minütigen Offline-Zeit für die Pinkelpause statt), andererseits Gespräche nur noch oberflächlich geführt werden bzw. mit Inhalten, die gar nicht für das direkte Gegenüber, sondern für die Beobachter im Netz gedacht sind.

Das Buch hat mich zum Nachdenken angeregt. Eine einfache Antwort, was gut ist, gibt es da meiner Meinung nach nicht. Wie so oft, kommt es vermutlich auch hier auf einen guten Mittelweg an.

Ich bin jedenfalls gespannt, was von den Fiktionen in "The Circle" in den nächsten Jahren noch alles Wirklichkeit werden wird.

* = Affiliate-Link