Samstag, 11. Oktober 2014

Gott als Erfindung gegen die Angst vor dem Tod

Kürzlich ist mir das Buch Und Nietzsche weinte (Amazon) von Irvin David Yalom empfohlen worden, das ich zur Zeit mit großem Interesse lese. Interessant, dass ich gerade jetzt bei Facebook auf ein Interview mit Yalom aufmerksam geworden bin (wahrscheinlich hätte ich es sonst gar nicht beachtet).

Das Interview mit Yalom hat Barbara Bleisch für die SRF1-Sendung Sternstunden geführt.

Gleich zu Beginn geht es um das Thema Tod und auch weiterleben nach dem Tod und Yalom führt (sinngemäß) einen Gedanken aus, der mich auch schon lange beschäftigt. Dass Gott oder allgemeiner Religionen vermutlich eine Erfindung der Menschen sind, um weniger Angst vor dem Tod zu haben und nicht bereit sind zu akzeptieren, dass ihre Existenz endlich ist. Denn wohl in den meisten Religionen gibt es das Element des Weiterlebens nach dem Tod oder der Wiedergeburt, ja oft wird dies sogar verherrlicht und das irdische Leben nur als unwichtiger Schritt oder Vorbereitung für das "richtige" und ewige Leben gesehen, das dann danach beginnt.

Auch ich weiß nicht, was nach meinem Tod passiert. Allerdings erscheint es mir doch am ehesten wahrscheinlich, dass mein Leben damit dann zu Ende ist. Ein Grund mehr, die Zeit auf dieser Erde bewusst zu leben.

Darauf geht Yalom ebenfalls ein. Er empfiehlt sich zu fragen:

1. Was habe ich in meinem bisherigen Leben bereut?

2. Was werde ich in zwei Jahren wahrscheinlich zusätzlich bereut haben?

3. Was kann ich tun, damit ich in den nächsten beiden Jahren so lebe, dass ich nichts bereue? >>> Leben Sie das Leben, das Sie leben wollen.

Es gab auch Abschnitte im Interview, die mich weniger interessiert haben. Spannend fand ich zu sehen, wie viel von seiner Persönlichkeit und seinen Einstellungen auch in sein Buch eingeflossen ist, das ich gerade von ihm lese. Beispielsweise ist auch dort die Hauptperson Jude wie er selbst und glaubt nicht an Gott (Dort heißt es "Gott ist tot"), hat mehrere Kinder und Schlafstörungen und macht sich Gedanken über den Sinn des Lebens.

Interessiert haben mich auch seine Überlegungen zum Thema Ehe und Beziehung. Er selbst ist schon viele Jahrzehnte mit der gleichen Frau verheiratet. Es zeigt sich, dass beide großes Interesse aneinander hatten und haben, auch in der Hinsicht, dass sie sich für das interessieren, was der andere tut und denkt, zum Beispiel beruflich. Im Rückblick sagt er, dass sie die Prioritäten vor allem auf die Karriere und ihre Beziehung und etwas weniger auf die Kinder gesetzt haben, was diese ihnen mitunter etwas vorwerfen. Seine vier Kinder haben die Prioritäten anders und vor allem auf die Kinder gesetzt und sind alle geschieden (zwei davon allerdings jetzt wieder in glücklichen Beziehungen). Sein "Rezept" für eine gute Ehe ist gegenseitige Wertschätzung, kein Kampf. Dazu beitragen, dass beide glücklich sind. Empathie ist wichtig - sich fragen, wie das Gegenüber etwas empfindet. Versuchen nichts zu tun, was verletzt. Interesse an den Interessen und Gedanken der Partnerin.

Für ein zufriedenes Leben findet Yalmon es wichtig, sich selbst zu kennen und mit sich selbst befreundet zu sein. Sokrates: "Denn das ungeprüfte Leben ist für den Menschen nicht lebenswert" - aber nicht egozentrisch/narzisstisch, sondern empathisch.

Hinweis: Es handelt sich hier um meine persönlich gefärbten Notizen und Überlegungen. Ich übernehme keine Verantwortung dafür, dass ich alles korrekt verstanden und wiedergegeben habe.

Hier kann das Video angeschaut werden: