Donnerstag, 4. Dezember 2014

Aufschieben kann auch hilfreich sein

Vor ein paar Jahren hätte vermutlich mit dem Begriff "Prokrastination" fast niemand etwas anfangen können. Mittlerweile jedoch ist die Aufschieberitis oder eben etwas wissenschaftlicher ausgedrückt Prokrastination ein richtiges Modethema geworden. Die Medien nehmen sich diesem an und es gibt zahlreiche Bücher, Internetseiten und Seminare, die helfen sollen, dem Übel zu begegnen. Ja selbst viele Psychotherapeuten haben die Prokrastination bzw. den Kampf dagegen in ihr Therapieprogramm aufgenommen. Ich selbst habe mich auch damit beschäftigt und kürzlich einen MOOC bei Iversity abgeschlossen, der das Thema Prokrastination zum Inhalt hatte.

Umso spannender fand ich die Überlegungen von Leo Babauta in seinem Blog Zen Habits, die er mit The Power of Delay überschrieben hat. Denn darin geht es darum, dass es sehr sinnvoll sein kann, etwas aufzuschieben - nämlich dann, wenn es um einen Impuls geht, der möglicherweise zu einer Handlung führt, die man ja "eigentlich" unterlassen möchte, also zum Beispiel ein Spontankauf als Minimalist, oder auch mal jemandem als direkte Reaktion auf etwas, das einen geärgert hat so richtig die Meinung zu sagen oder seine Zeit zu vertrödeln. Leos Empfehlung ist es hier, das Vorhaben ein wenig aufzuschieben und dann zu schauen, ob das Verlangen danach immer noch so da ist und dann neu zu entscheiden, ob man diesem (ggf. in abgewandelter Form) nachgeben möchte oder dies gar nicht mehr notwendig ist. Also zum Beispiel mit der Person, deren Verhalten einen geärgert hat ein klärendes, konstruktives Gespräch zu führen, statt an dieser nur seine Wut auszulassen.

Natürlich gilt dies nur für das, was man eigentlich nicht tun möchte - die Dinge, die es anzupacken gilt, sollten angepackt, und nicht aufgeschoben werden. Von daher behalten die vielen Anti-Prokrastinations-Tipps dann doch ihre Berechtigung.