Dienstag, 9. Dezember 2014

Das Gehirn im Turbo-Modus

Leo Babauta hat keine medizinische oder psychologische Ausbildung. Dennoch beschreibt er oft Symptome und Vorgänge, die viele kennen oft sehr treffend. In einem seiner aktuellen Artikel The Brain’s Fast Mode geht er darauf ein, dass wir in der heutigen Zeit oft in einem Modus sind, in dem wir sehr schnell sehr viele Informationen verarbeiten und darauf schnell und kurz reagieren, zum Beispiel auf viele E-Mails oder wenn wir den Stream eines sozialen Netzwerks wie Facebook oder Twitter durchgehen.

Mir ergeht es ergänzend ähnlich, wenn ich mir die täglich mehreren hundert neuen Beiträge in meinem RSS-Feed Reader feedly betrachte. Das ist für viele Vorgänge sehr effizient und anders würden wir mit der Flut von Informationen gerade als Wissensarbeiter vermutlich auch gar nicht mehr zurecht kommen (obwohl ich für mich schon daran gearbeitet habe, den Input deutlich zu reduzieren und überwiegend die Infos zu erhalten, dir mich auf wichtig und nützlich sind - dennoch bleibt reichlich übrig). Probleme gibt es aber immer dann, wenn wir uns zwischendurch Aufgaben zuwenden, die ein intensiveres und langsameres Bearbeiten erfordern, zum Beispiel das intensive durcharbeiten eines längeren Textes, das anschauen eines Vortrags oder auch das Schreiben einer längeren Mail, in der es um mehr geht als nur um schnell organisatorisch etwas zu klären oder eine kleine Sachfrage zu beantworten. Oft fällt es dann schwer, sich auf diese Aufgabe zu konzentrieren und dabei zu bleiben, da das Gehirn darauf trainiert ist, alles schnell zu erledigen und zur nächsten Aufgabe weiter zu gehen. Das ist gefährlich, weil es zu Oberflächlichkeit führen kann und zu falschen, vorschnellen Entscheidungen. Auch echte Entspannung geht nicht mal eben zwischendurch, sondern verlangt nach einer bewussten Entschleunigung.

Für mich habe ich es so gelöst, dass ich einerseits Aufgaben habe, die ich im Turbo-Modus erledigen kann, wie oben schon erwähnt, und mir dabei bewusst Aufgaben notiere, die mehr Zeit und Aufmerksamkeit benötigen. Also umfangreichere Mails bearbeite ich nicht während des täglichen Mail-Durchgangs, sondern notiere sie mir auf meiner Arbeitsliste. Ebenso, wenn ich bei Twitter, Facbook, RSS oder anderswo auf umfangreiche Texte oder Vidoes aufmerksam werde, dich nicht nur scannen möchte. Und an diese Aufgaben versuche ich dann ganz bewusst mit einer anderen Einstellung heran zu gehen. Meistens unterbreche ich vorher meine Schreibtischarbeit, stehe auf, gehe ein paar Schritte und erledige etwas und wenn ich dann an den PC zurück kehre, versuche ich bewusst umzuschalten und mich der jetzt anstehenden Aufgabe ganz in Ruhe zu widmen. Das gelingt mir manchmal sehr gut, mitunter merke ich aber auch, wie ich immer wieder in den schnellen Modus wechseln möchte, zum Beispiel indem ich schnell noch was zwischendurch erledigen will.

Am Ende eines Tages bin ich meistens dann besonders zufrieden, wenn ich einerseits das Gefühl habe, viel an Masse erledigt und virtuelle "blanke Platte" gemacht zu haben und andererseits auch an wirklich umfangreichen, kreativen Aufgaben gearbeitet habe, die dann auch ein konkretes Ergebnis (wie zum Beispiel diesen Text :-)) mit sich bringen.