Donnerstag, 25. Dezember 2014

Erzeugt Zufriedenheit Langeweile?

Zwar bin ich nun nicht der große Udo Jürgens Fan, dennoch habe ich mich aufgrund seines Todes ein wenig mit ihm beschäftigt. Ein erfülltes Leben über 80 Jahre zu haben und es mit einem Spaziergang zu beenden und bis zum Tod das zu tun, was einen begeistert (bei Udo Jürgens also auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen) ist sicher nicht das Schlechteste.

Das ZEITmagazin hat vor Udo Jürgens 80. Geburtstag ein Interview mit ihm geführt, das nun auch online unter der Überschrift Das Glück ist ein flüchtiger Vogel erschienen ist.

Da mich das Thema Glück und Zufriedenheit auch beschäftigt und ich es für mich als anzustrebendes Lebensziel sehe, zufrieden zu sein und immer wieder Glücksmomente zu erleben, fand ich diese Passagen im Interview besonders interessant (ansonsten habe ich es zugegebenermaßen nicht komplett gelesen), insbesondere die Antwort auf die Frage "Was macht denn für Sie ein gutes Leben aus: anhaltende Zufriedenheit oder immer wieder kurze Momente großen Glücks?" - Ich verkürze die Antwort mal auf die mir wichtigen Aussagen:

- "Ich würde sagen, das mit den Glücksmomenten."

- "Man muss natürlich wissen, das Glück ist ein flüchtiger Vogel. Er setzt sich bisweilen auf deine Schulter und beschenkt dich mit seiner Gegenwart, aber er ist ganz schnell wieder weg."

- "Du musst jeden Glücksmoment mit einem traurigen Moment bezahlen."

- "Aber kaum ist man zufrieden, beginnt einen diese Zufriedenheit zu langweilen."

Darüber habe ich nachgedacht und überlegt, dass meine Antwort wie oben schon erwähnt etwas anders ausfällt. Wenn ich mich entscheiden müsste, würde ich die Zufriedenheit wählen, weil sich daraus auch eine gewisse Gelassenheit ergibt, die das Leben insgesamt leichter und unbeschwerter machen kann, auch wenn mal etwas nicht nach meinen Vorstellungen verläuft.

Kann Zufriedenheit langweilen? Ich denke nur dann, wenn diese zu Eintönigkeit führt, es keine Ziele und keine Veränderungen mehr gibt. Und ich denke auch, dass Glücksmomente dazu gehören und ebenfalls notwendig sind und es somit kein entweder/oder gibt.

Problematisch wird es meiner Meinung nach dann, wenn das Leben nur noch aus einer Jagd nach Glücksmomenten besteht und das Gefühl vorhanden ist, dass es ohne diese Hochgefühle nichts zu bieten hat. Dann fehlt meiner Meinung nach die basale Zufriedenheit. Und dann besteht auch die Gefahr, sich Glücksmomente auf eine Weise zu verschaffen, die dann unweigerlich "traurige Momente" nach sich zieht, wie zum Beispiel beim Drogenkonsum. Oder im pathologischen Bereich bei der bipolaren Störung.

Wobei klar, oft ist es schon so, dass große Glücksmomente ja auch damit verbunden sind, dass der Körper und Geist auf Hochtouren laufen und danach eine Phase kommt, wo sich eine Erschöpfung zeigt und vielleicht damit verbunden tatsächlich auch eher etwas niedergeschlagene Gefühle.

Diese Gleichung, dass das Glück mit Traurigkeit bezahlt werden muss, gibt es meiner Meinung nach allerdings nicht und fände ich auch schade. Das würde ja dazu führen, keine Glücksmomente mehr zu suchen oder diese nicht recht genießen zu können, weil es ja unweigerlich danach bergab gehen müsste. Etwas, was ich durchaus auch oft erlebe - im Gespräch mit anderen Menschen, vielleicht auch manchmal bei mir selbst, sofern ich da nicht einschreite.