Dienstag, 2. Dezember 2014

Schwerpunkt Minimalismus in der Zeitschrift "Psychologie Heute"

Die Dezember-Ausgabe 2014 der Zeitschrift "Psychologie Heute" hat das Schwerpunktthema "Das reicht mir! - Die Kunst, sich auf das Wesentliche zu beschränken".

Schon das Editorial geht darauf ein, dort zitiert Chefredakteur Heiko Ernst unter der Überschrift Weniger ist nicht immer mehr. Aber weniger ist meistens besser. unter anderem Duane Elgins Idee der freiwilligen Einfachheit oder das Konzept von Erich Fromm, der zwischen Haben und Sein unterschieden hat. Und er macht deutlich, dass Minimalismus zwar ein kleiner Trend sein mag, aber weit von einer Massenerscheinung entfernt ist die nötig wäre, um unsere Konsumwelt tatsächlich zu verändern - und das dies durchaus ein erstrebenswertes Ziel ist.

Der eigentliche Hauptartikel zum Thema Minimalismus wurde von Eva Tenzer verfasst und hat die Überschrift "Einfacher leben: Was brauchen wir wirklich?". Es wird auf die 100 thing challenge von Dave Bruno eingegangen und die Frage gestellt, wie viele Dinge denn wirklich das sind, was ein jeder zum Leben braucht. Ich denke ja auch, dass dies durchaus individuell unterschiedlich sein kann und abhängig ist sowohl von den jeweiligen Bedürfnissen als auch von den Rahmenbedingungen. Weiter geht es mit Überlegungen zum Konsumstress, der sowohl durch die Anschaffung von Sachen, als auch durch deren Verwaltung entstehen kann. Es wird auch deutlich gemacht, dass bewusster Verzicht auf den Überfluss wieder den Genuss des Besonderen ermöglicht. Das merke ich bei mir zum Beispiel darin, dass ich aus verschiedenen Gründen meinen Schokoladenkonsum deutlich reduziert habe (der früher auch schon mal eine Mahlzeit ersetzt hatte ;-)) und wenn ich jetzt mal zur Schokolade greife, bin ich nicht unbedingt in dem Sinne achtsam, dass ich nun ganz langsam kleine Stücke essen würde, aber doch genieße ich es viel mehr und nehme den Geschmack bewusster war und weiß, dass es etwas Besonderes für mich ist. Und gerade dieses etwas Besonderes erleben ist für viele heute so schwer geworden, dass sie sich immer extremere Aktivitäten, Gerichte und Verhaltensweisen und Besitztümer aneigenen - nur um dann nach kurzer Zeit festzustellen, dass diese auch wieder langweilig und normal werden. Zum Schluss des Artikels wird auf Hedonismus, Ziele und Sinn eingegangen. Der Beitrag wird durch Literaturempfehlungen von Marcel Hunecke, Roland Düringer, Clemens Arvay, John Lane, Dave Bruno, Francine Jay, Leo Babauta und Mathias Binswanger. Insgesamt interessant, wenn auch für mich nichts wirklich Neues.

In einem Infokasten werden übersetzte Tipps von Leo Babauta aus seinem Buch Weniger bringt mehr. Die Kunst, sich auf das Wesentliche zu beschränken* zitiert. Auch im Haupttext wird auf ihn hingewiesen.

Sehr interessant fand ich das Interview mit Prof. Dr. Niko Paech zur Postwachstumsökonomie. Zwar teile ich nicht alle seine Überlegungen, zum Beispiel das künftig vieles selbst angebaut werden sollte in einer Art Kommune, aber den Kerngedanken, dass es mit dem Wirtschaftswachstum so nicht mehr weiter gehen kann und darf und wir statt dessen zusehen müssen, nachhaltig mit den vorhandenen Ressourcen umzugehen und bescheidener zu leben dafür sehr. Auch seine Überlegungen, wie diese Gedanken durch Diffusion nach und nach ihre Wirkung entfalten und eine größere Zielgruppe erreichen und somit (hoffentlich) tatsächlich zu gesellschaftlichen Veränderungen führen können fand ich sehr nachvollziehbar. Viele seiner Gedanken habe ich vor längere Zeit auch schon im Buch Die Tretmühlen des Glücks* von Mathias Binswanger ähnlich vorgefunden.

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