Mittwoch, 4. Februar 2015

Ist Entschleunigung und Reduzierung nur Realitätsflucht?

Schon im Januar ist im ZEIT Magazin der Beitrag Entschleunigung: Die Welt ist mir zu viel erschienen, der jetzt erst meine Aufmerksamkeit bekommen hat.

Dort wird sich recht kritisch damit auseinandergesetzt, dass sich viele Menschen eher mit Achtsamkeit, Entschleunigung und Handarbeit/Gartenarbeit beschäftigen, als mit den drängenden Fragen unserer Zeit. Festgemacht wird dies unter anderem an neuen beliebten Zeitschriften, die meist besonders edel daher kommen wie zum Beispiel "Oak", "Cereal", "Escape" oder auch "Flow – Das Magazin für Achtsamkeit, Positive Psychologe und Selbstgemachtes" und "My Harmony – Das Magazin für gute Ideen und schöne Gedanken" sowie "Emotion Slow – Motto: Mehr Zeit fürs Wesentliche". Alles Magazine, von denen ich bisher noch nie gehört habe...

Und tatsächlich habe ich auch manchmal den Eindruck, dass für einige diese Themen vor allem ein Trend sind, eine Mode. Und vielleicht auch ein Luxusproblem. Das wird gerade dann deutlich, wenn solche Magazine sehr aufwändig und damit alles andere als nachhaltig und ressourcenschonenend produziert werden... Oder auf manchen Webseiten nicht nur über Minimalismus etc. berichtet, sondern sich damit gebrüstet wird und in Wettbewerben heraus gestellt wird, was für große Leistungen denn im Rahmen der Reduzierung erreicht wurden und jemand vielleicht noch ein paar Teile weniger besitzt - und dafür dann ständig in Restaurants isst...

In dem Artikel wird auch darauf eingegangen, dass manche sich nicht mehr mit den negativen Schlagzeilen dieser Zeit und aus der ganzen Welt auseinander setzen wollen. Dazu habe ich auch kürzlich einen Artikel in der Psychologie heute gelesen. Meiner Meinung nach ist hier ein Mittelweg wichtig. Ich versuche für mich schon zu überlegen, was für mich und mein Leben wichtig ist detaillierter zu wissen, weil es mich persönlich betrifft und ggf. ein handeln von mir erfordert und was einfach nur belastend ist und wo es mir ausreicht, wenn ich irgendwo die Überschrift aufgefangen habe. Sonst besteht einerseits die Gefahr der Abstumpfung und andererseits die Gefahr, dass so viele Baustellen gesehen werden, dass gar kein zielgerichtetes Handeln mehr möglich ist. Und vielleicht auch das aus dem Blick gerät, was wirklich für das persönliche Leben wichtig ist und das eigene Umfeld betrifft wie Freunde und Familie.

Auch in den aktuell knapp 50 Kommentaren zu dem Artikel werden verschiedene Seiten beleuchtet und es wurde recht konstruktiv diskutiert.