Freitag, 15. Mai 2015

Digitale Identitätsprüfung bei Coursera

Ab der kommenden Woche werde ich erstmalig an einem MOOC bei Coursera teilnehmen (Psychological First Aid) und habe mich dazu jetzt auf der Plattform registriert.

Zwar werde ich den Kurs wohl in der kostenlosen Variante, ohne überprüftes Zertifikat für 43 Euro, belegen - dennoch habe ich auch den Überprüfungsprozess durchlaufen, mit dem die erbrachten Leistungen daraufhin überprüft werden sollen, ob diese eigenständig erbracht wurden.

Dazu musste zunächst ein kleiner englischer Text (ein Satz) zwei Mal abgetippt werden und es wurde versucht, daraus ein persönliches Tippmuster zu ermitteln. Bei mir hat das erst im zweiten Anlauf geklappt.

Außerdem wurde mit der Webcam ein Foto aufgenommen.

Künftig muss vor jeder Prüfung wieder ein Satz getippt und das Gesicht in die Webcam gehalten werden.

Um ein auf den Namen ausgestelltes Zertifikat zu erhalten, muss ergänzend auch noch der Personalausweis oder ein anderes persönliches Dokument in die Kamera gehalten werden.

Selbst mal vorausgesetzt, dass dieses Verfahren zuverlässig funktioniert würde es meiner Meinung nach nur sicherstellen, dass die Person auch selbst am PC sitzt und tippt - nicht jedoch, dass nicht jemand Anderes mit im Raum sitzt und die Lösungen vorgibt oder unerlaubte Materialien verwendet werden. Und so wie ich es verstanden habe, findet die Identitätsprüfung auch nur vor den Tests statt, so dass theoretisch danach sogar noch eine andere Person an den PC wechseln könnte.

Die Aussagekraft dieser Prüfung halte ich daher für begrenzt.

In Deutschland ist es ja bisher noch so, dass Klausuren in Studiengängen nur unter Aufsicht geschrieben werden können, was gerade im Fernstudium viel Aufwand bedeutet. Entweder müssen die Studierenden weit reisen oder die Hochschulen müssen ein dichtes Netz von Prüfungsorten anbieten. Da wird es sicherlich Bestrebungen geben, dass künftig Prüfungen auch von zu Hause aus abgelegt werden können. Das Verfahren von Coursera reicht meiner Meinung nach dafür aber nicht aus, sondern es müsste eine konstante Überprüfung während der Klausur geben. Auch dazu wird bereits an Lösungen gearbeitet, zum Beispiel mit Mikrofonen und Rundum-Kameras. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das weiter entwickelt.