Dienstag, 2. Juni 2015

Gelesen: Der Weg zur authentischen Persönlichkeit

Authentisch zu sein, selbst wenn das manchmal anstrengender ist, ist mir sehr wichtig - was nicht heißt, dass es mir auch immer gelingen würde ;-) - und ich rate auch anderen dazu.

Daher hat das Buch "Eigentlich bin ich ganz anders: Der Weg zur authentischen Persönlichkeit" von Winfried Hille (Amazon*) mein Interesse geweckt.

Mein Fazit vorab: Schlecht ist das Buch nicht, allerdings ist es mir doch sehr stark auf das persönliche Erleben des Autors fokussiert. Sein eigenes Beispiel nimmt große Teile des Buchs ein und er schreibt auch viel aus genau der Perspektive, die er erlebt hat als Vater und Ehemann, der aus dem gemeinsamen Haus ausziehen musste und der beruflich seinen Weg gefunden hat. Das hat mir etwas zu viel Raum eingenommen.

Der Autor ist übrigens auch Herausgeber der Zeitschrift "bewusster leben".

Gefallen hat mir das Zitat von Debbie Ford, mit dem das Buch beginnt:
»Alles menschliche Ringen dreht sich im Kern um
den Zwiespalt zwischen dem, was wir sind, und dem,
was wir sein möchten.«
Zwar würde ich diesen Absolutismus, dass sich allesmenschliche Ringen nur darum drehen würde so nicht unterschreiben, allerdings geht es glaube ich schon oft darum, dass wir nicht so sind, wie wir eigentlich sein möchten. Und auch wenn es sicherlich in der Persönlichkeit oder den Fähigkeiten eines Menschen mitunter Grenzen gibt, die es auch verhindern, dass alle diese Wünsche an sich selbst erfüllt werden können, so ist es doch ganz sicher oft möglich, viel mehr nach unseren eigenen Bedürfnissen und auch Potentialen zu leben, als wir dies tatsächlich tun.

Nach Hille ist die Grundvoraussetzung um authentisch leben zu können erstmal die Selbsterkenntnis, also für sich herauszufinden, was die wirklichen eigenen Fähigkeiten und Aufgaben in unserem Leben sind und was uns ausmacht sowie welche Werte uns wichtig sind - um uns dann auch danach ausrichten zu können. Dabei gilt es sehr sorgfältig zu unterscheiden zwischen dem, was wirklich in uns ist, und dem was andere von uns erwarten - gerade wenn von unserem wahren Ich abweichende Erwartungen uns bereits seit unserer Kindheit begleiten und wir uns bemüht haben, diesen gerecht zu werden.

Als Lebenshilfe für den Leser arbeitet der Autor mehrfach mit Fragenlisten zu verschiedenen Themen, zum Beispiel...
... zu Entscheidungen in unserem Leben
... zu Lebenszielen
... zur eigenen Vergangenheit
... zum Umgang mit unseren Gefühlen
... zur Aussöhnung mit unseren Eltern
... zur Berufswahl

Hille macht deutlich, dass es bei Entscheidungen meist drei Optionen gibt:
- Ich entscheide mich dafür
- Ich entscheide mich dagegen
- Ich entscheide mich gar nicht - dann entscheiden andere für mich
Er empfiehlt, bei anstehenden Entscheidungen die Optionen auf Zettel zu schreiben und uns zu diesen zu stellen und zu schauen, welche Gedanken und auch Gefühle dazu in uns aufsteigen. Die Chancen für Entscheidungen sollten erkannt und genutzt werden und der dann eingeschlagene Kurs sollte verfolgt werden.

Authentisch zu leben bedeutet dabei nicht, als Egoist durch das Leben zu gehen, sondern im Gegenteil. Zunächst ist Selbstliebe die Voraussetzung für Nächstenliebe. Außerdem ist auch der Gesellschaft meist am Besten damit gedient, wenn jemand das macht, was er auch wirklich gut kann und wo er hinter steht.

Der bisherige Lebensweg sollte gewürdigt und bejaht werden, statt damit zu hadern. Statt dessen gilt es den Blick nach vorne zu richten. Dazu wird empfohlen, einen gedanklichen Flug in die eigene Vergangenheit zu machen, um wichtige Stationen quasi aus der Vogelperspektive zu betrachten.

Auch Hille vertritt die Ansicht, sich auf die wesentlichen Dinge im Leben zu konzentrieren, da dafür zu wenig Zeit und Energie übrig bleibt, wenn wir sie auf sehr viele Kleinigkeiten verteilen.

Ein Abschnitt des Buchs ist auch den Gefühlen gewidmet, die das authentischte an uns sind und uns viel sagen können, wenn wir auf das hören, was sie uns sagen möchten. Dabei werden auch die oft als "negativ" dargestellten Gefühle als nützlich dargestellt. So schafft Trauer oft die nötige innere Leere, um einen echten Neuanfang möglich zu machen.

Wichtig ist es auch, uns selbst in uns Raum zu geben und diesen nicht durch permanente Ablenkung auszufüllen.

Weiter geht es um Themen wie Beziehungen (sich selbst das Gute des Anderen zu eigen machen und sich ändern, statt den anderen ändern zu wollen) und Beruf als Berufung (hier wird nochmal darauf hingewiesen, diesem Ruf auch unabhängig von der Meinung anderer Gehör zu schenken - es gilt die eigenen Begabungen, Interessen und Wertvorstellungen im Beruf zusammen zu bringen).

Gegen Ende des Buchs gibt Hille den Hinweis, dass wir bei allem Bemühen weder das Wesen anderer Menschen ganz erfassen können - noch uns selbst vollkommen zu erkennen.

Den Abschluss des Buchs bilden acht erläuterte Schritte zur Authentizität, die ich hier nur anreißen möchte:
1. Denken Sie über sich nach.
2. Machen Sie sich bewusst, was Sie sich von ihrem Leben wünschen, was Sie können, erwarten und fühlen.
3. Entscheiden Sie sich dafür, selbst Gestalter Ihres Lebens und nicht Opfer zu sein.
4. Achten Sie auf Ihre eigenen Bedürfnisse und setzen Sie anderen gegenüber Grenzen.
5. Handeln Sie in Übereinstimmung mit Ihren Überzeugungen.
6. Erinnern Sie sich immer wieder an Ihre Stärken.
7. Tun Sie das, was Sie tun, mit Liebe.
8. Tun Sie auch mal nichts und seien Sie mit sich einfach nur einverstanden.

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