Freitag, 26. Juni 2015

Kompetenzentwicklung im Fernstudium - AG-F Tagung

Wie hier im Blog bereits angekündigt fand letzte Woche am 17. und 18. Juni in Hamburg an der Euro-FH die Frühjahrstagung der AG-Fernstudium innerhalb der Deutschen Gesellschaft für Wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF) zum Thema "Kompetenzorientierung im Fernstudium" statt.

Eigentlich wollte ich an der Tagung teilnehmen, war angemeldet und auch schon in Hamburg. Leider war es mir dann gesundheitlich aber nicht möglich, zur Tagung zu fahren und so versuche ich jetzt, mir anhand des Programms und der veröffentlichten Materialien einen Überblick zu schaffen.

Bulimielernen im Fernstudium?

Die Eröffnungsrede hat Prof. Dr. Werner Sauter von der Blended Solutions GmbH gehalten und nicht nur seine Folien zur Verfügung gestellt, sondern ist auch in einem ausführlichen Blogbeitrag auf das Thema "Kompetenzentwicklung in Fernstudiengängen. Mehr als Wissensaufbau und Qualifizierung" seines Vortrags eingegangen.

Prof. Sauter ist der Meinung, dass Fernkurse noch auf einer Didaktik und Methodik basieren würden, die sich in den vergangenen fünfzig Jahren nur marginal, wenn überhaupt verändert habe. Die Studienbriefe würden nur Fachtexte und Übungsaufgaben beinhalten und es sei mehr dem Lerner und dem Zufall überlassen, ob er in der Praxis die Chance erhält, sein Wissen in realen Herausforderungen anzuwenden.

Weiter würden die Lernplattformen der Anbieter oft den Eindruck erwecken, nur aus Marketinggründen eingerichtet worden zu sein, da es keine didaktisch-methodische Verknüpfung zwischen den Studienbriefen und der Plattform gäbe.

Vor allem wird kritisiert, dass es keinen systematischen Austausch zwischen Lernern und Betreuern gibt und Chats und Foren zwar zur Verfügung stehen, aber nicht in das Lernkonzept eingebunden sind und oft (wenn überhaupt) dann eher für Off-Topic Themen genutzt werden.

Der Nutzen der Staatlichen Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zur Qualitätssicherung wird angezweifelt, da diese für etablierte Anbieter durch Kenntnisse des Prüfungsablaufs und passender Textbausteine wohl mittlerweile Routine seien und innovative Anbieter durch die hohen Kosten und Hürden des Genehmigungsprozesses eher abgeschreckt würden.

Prof. Sauters Fazit: "Auch in Fernkursen dominiert also das Bulimielernen. [...] Mit Kompetenzentwicklung hat derartiges Pauklernen nichts zu tun."

In seinem Beitrag formuliert Prof. Sauter aber auch Anregungen, wie ein Fernstudium so gestaltet werden kann, dass eine Kompetenzentwicklung ermöglicht wird:
- Individuelle Lernziele (Kompetenzziele), die der Lerner, evtl. mit seinem Betreuer, festlegt
- Das vermittelte Wissen dient lediglich als Voraussetzung zur Erreichung der Kompetenzziele
- Die Kompetenzen sollen selbstorganisiert im Rahmen eines Lerner-Netzwerks aufgebaut werden
- Gemeinsame Bearbeitung von Projekten, evtl. aus der Berufspraxis der Fernstudenten

Solche großen Veränderungen für die Fernlehre sieht Prof. Sauter als alternativlos, wenn das Fernstudium in Zeiten von Soziale Netzwerken, OER (Open Educational Ressources - freie Bildungsressourcen), MOOC (Massive Open Online Courses - Online-Kurse) oder Social Business Bestand haben soll. Sein Beitrag schließt mit den Worten "Dies kann nicht einmal die ZfU verhindern".

Bei Fernstudium-Infos.de habe ich die Thesen von Prof. Sauter zur Diskussion gestellt und es hat sich auch innerhalb kurzer Zeit ein reger Austausch ergeben.

Update 29.06.2015: Der Beitrag von Prof. Sauter ist auch noch an anderer Stelle erschienen und ich habe ihn dort auch kommentiert. Bei Fernstudium-Infos.de gibt es mittlerweile rund 20 Rückmeldungen, die sehr differenzierte Erfahrungen wiederspiegeln und die Thesen von Prof. Sauter zum Teil zu bestätigen scheinen - ihnen zum Teil aber auch widersprechen.

Kompetenzen in der Akkreditierung

Der nächste Vortrag zu dem es Folien online gibt stammt von Nina Hürter von der Akkreditierungsagentur FIBAA. Darin geht es um die Frage, welche Kompetenzen Bologna will. Der Aufbau der Folien gefällt mir. Sehr strukturiert und zu Beginn wird gleich aufgezeigt, welche "Learning Outcomes" im Sinne eines kompetenzorientierten Vortrags vermittelt werden sollen.

Aus verschiedenen möglichen Definitionen für Kompetenz wird sich für diese entschieden:
Kompetenz ist die
Fähigkeit, mit immer neuem
Wissen und unbekannten
Situationen aktiv und
handelnd umzugehen.

Und diese Fähigkeit wird gerade in der sich verändernden Arbeitswelt und den Herausforderungen der Wissensgesellschaft immer mehr benötigt.

Es wird dann die Bologna-Reform kurz vorgestellt und wo dabei von Kompetenzen die Rede ist. Der Kompetenzaufbau in verschiedenen Bereichen ist dabei ein wichtiges Ziel, das sich auch im Qualifikationsrahmen für deutsche Hochschulabschlüsse (HQR), im Europäischen Qualifikationsrahmen (EQR) und im Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) wiederfindet.

Weiter wurde dann darauf eingegangen, welche Kompetenzen die deutsche Akkreditierung will am Beispiel des Fragen- und Bewertungskatalogs der FIBAA und der relevanten Rechtsquellen.

Weitere dokumentierte Vorträge

Folien gibt es außerdem zu diesen Vorträgen:

Dipl. Pol. Sylvia Stamm
Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin
Kompetenzorientierung in die (Fern-) Lehre bringen
- Constructive Alignment als vielversprechender Ansatz


Dipl.-Päd. Katharina Hombach
Fachhochschule Münster
Formen der Kompetenzentwicklung der Studierenden
bei der Studiengangentwicklung weiterbildender Studiengänge mitdenken

Notizen:
Handlungskompetenzmodell:
- Fachkompetenz
- Sozialkompetenz
- Methodenkompetenz
- Personalkompetenz

Thomas Tan, Prof. Dr. Tim Weitzel
Universität Bamberg
Kompetenzvermittlung durch semesterbegleitende Studienleistungen in virtuellen Studiengängen
Notizen:
- Fallstudien als Studienleistungen
- Virtuelle Kollaboration